Eine Reise in die Vergangenheit - Teil 2(Fortsetzung von Teil 1) Die ersten eingerosteten Schrauben tauchen auf Wir beginnen mit ersten Versuchen, die Jahrzehnte alten Staubschichten zu lösen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Getriebe und Motoren im Laufe ihres mindestens 50-jährigen Stillstandes Öl und Fett übe
17.07.2010
Eine Reise in die Vergangenheit - Teil 2
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50 Jahre haben eine Staubschicht wachsen lassen...
(Fortsetzung von Teil 1)
Die ersten eingerosteten Schrauben tauchen auf
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Wir werden in unserer täglichen Arbeit immer mit komplexen Scheinwerfersystemen konfrontiert.
Wir beginnen mit ersten Versuchen, die Jahrzehnte alten Staubschichten zu lösen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Getriebe und Motoren im Laufe ihres mindestens 50-jährigen Stillstandes Öl und Fett über die Wellen und Achsen verloren haben. Diese Schmiermittel haben sich über dem Gerät verteilt und sind mit dem Staub verharzt. Die Kabelbäume sind von diesen Problemen genauso betroffen.
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Jedes Bauteil ist gekennzeichnet.
Wir demontieren Baugruppen und montieren sie wieder, um zu sehen, wie wir die nächsten Teile erreichen und wie lange wir dazu benötigen. Die ersten Optiken werden testweise gereinigt und die ersten eingerosteten Schrauben tauchen auf. Wir müssen nicht nur reinigen, wir müssen auch konservieren, wir müssen Erfahrungen sammeln!
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Die Ansteuerung.
Freude macht uns, zu sehen, mit welcher Akribie damals die Techniker und Mechaniker jedes Teil mit Schlagbuchstaben nummeriert haben und mit welcher Präzision die von Hand angerissenen Bohrungen ausgeführt sind.
Die Diskussionen, welche Methoden für gut und welche für unbrauchbar gehalten werden, füllen Hefter und letztendlich Ordner
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Der Schreck: doch mehr Korrosion als gedacht!
Der finanzielle Rahmen ist sehr beschränkt und der Arbeitszeitaufwand immens. Wir beschäftigen uns mit Auswertungen zu Analysen für die Erhaltung von technischen Kulturgütern. Die Diskussionen, welche Methoden für gut und welche für unbrauchbar gehalten werden, füllen Hefter und letztendlich Ordner. Die teilweise kontroversen Standpunkte sind zu bewerten und das Optimum für unseren Wolkenapparat ist zu finden. Parallel starten wir Versuche mit verschiedenen Reinigern und Ölen am Gerät und an den demontierten Baugruppen.
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Ein erster Blick ins Gerät.
Am Ende entscheiden wir uns für ein Öl mit extrem niedriger Viskosität und hohem Penetrationsverhalten. Es soll die angerosteten Oberflächen unterwandern, Reste von Wasser verdrängen und gleichzeitig die Oberflächen gegen den Luftsauerstoff versiegeln. Die vernickelten Getriebeteile werden erst in ihren Gleitlagern mit einem dünnen Öl behandelt und dann mit einem farblosen Schutzwachs konserviert.
Vorteil dieser Technologie ist, dass der Oberflächeneindruck authentisch bleibt und die Spuren der früheren Instandsetzungen weiterhin sichtbar sind. Der Nachteil ist, dass das Öl nur begrenzt hitzebeständig ist. So wird die Inbetriebnahme mit der alten 3000 Watt Lampe, Sockel E40, nicht stattfinden. Das ist eine schwere Entscheidung, aber alle anderen Methoden der Konservierung würden die Patina des Gerätes zerstören.
Die vollständige Demontage des Gerätes wird möglich
Anfang des Jahres 2010 ergibt sich für uns eine riesige Chance: Der Förderverein des Vogtlandtheaters Plauen e.V. hat eine nicht unerhebliche Summe zu Verfügung gestellt und wir haben einen weiteren Teil dazu getan. Aber das Wichtigste ist, wir haben eine große Halle. Die Firma KUB-Design hat in ihrer Halle in Röhrsdorf für mindestens 3 Monate Platz. Damit wird die vollständige Demontage des Gerätes möglich. Wir lagern den Apparat um. Der Chef, Kai - Uwe Bretschneider, ein gelernter Werkzeugmacher und begeisterter Techniker, zeigt großes Interesse. So ist er, wie schon oft, wenn es um Kniffliges geht, mit im Team.
In einem Zeitraum von 3 Monaten wird das Gerät nun nach den zuvor abgestimmten Technologien vollständig demontiert und gereinigt. Jede Stufe der Demontage wird fotografisch festgehalten. Es sind 100 Linsenfassungen und 100 Linsen zu demontieren, zu putzen und wieder zu montieren. Insgesamt sind über 500 Schrauben zu lösen, einzeln zu reinigen und wieder zu montieren. Es sind unzählige Blechteile mit Presseluft zu reinigen und sorgsam vom blätterndem Rost zu befreien.
Die Schäden am Korpus der Kugel sind teilweise viel schlimmer als im Vorfeld eingeschätzt. Das Gerät, wir hatten es an der Lampe gesehen, muss in den Katakomben des Theaters unter Wasser gestanden haben. Verschiedene Schrauben lassen sich nur mit viel technischem Aufwand lösen. Manch abgeschraubtes Blech hat nicht nur "leichten Flugrost". Der Blechverschluss des Bodens ist stark wassergeschädigt und die Bördelung ist durch die Last des Gerätes völlig aufgesprungen. Auch hier finden wir eine technisch ansprechende Lösung, den Originalzustand so nah wie möglich wieder herzustellen.
Ein Apparat der zeigt, wie Techniker vor 100 Jahren das Thema Wolkenprojektion gelöst haben
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